Stadt Langenbielau
(Geschichtliches)
Langenbielau ist eine Stadt mit 20 000 Einwohnern, die sich aus einem alten schlesischen Reihendorf — dem früher größten Dorf Preußens — zu einer Stadt entwickelt hat. Sie ist stolz, aus einem alten schlesischen Reihendorf entstanden zu sein, weil sie damit ein Kind der großen deutschen Wiederbesiedlung des Ostens darstellt, denn germanische Volksstämme waren es, die einstmals Langenbielaus Feldfluren besiedelten und einteilten.
Schon frühzeitig entwickelte sich in Langenbielau das uralte Weberhandwerk. Fast jeder Bauer betrieb früher nebenbei dieses Handwerk, und es ist erklärlich, dass neben den Erträgnissen der Landwirtschaft sich die Weberei als Haupterwerbsquelle erwies; ja, dass die Weberei langsam alle anderen Erwerbsmöglichkeiten überdeckte. Auf einer alten Tradition fußend, entwickelte somit Langenbielau eine äußerst rührige und große Textilindustrie und ist der Sitz der Weltfirma Christian Dierig AG. Der größte Teil der Bevölkerung Langenbielaus findet seinen Lohn in der Industrie. Wer aber denkt, dass Langenbielau dadurch eine Fabrikstadt mit rauchenden Schornsteinen und verrußten Häusern ist, ist falsch unterrichtet. Es ist der Stolz der Langenbielauer, dass sich die Stadt dem Gebirge harmonisch anpasst und einen sauberen Eindruck macht. Grünanlagen laden überall zur Ruhe ein und bieten dem Auge schöne Anblicke. Ein stadteigener und gutgepflegter Park mit Gondelteich und einem großen Freibad, der Herrleinberg, die Steinhäuser und das „Goldene Sieb“ sind bekannte und immer wieder gern besuchte Erholungsstätten. Wer ein weit entfernteres Ziel im Auge hat, kann von Langenbielau aus bequem den Gebirgskamm erreichen, denn der oberste Ortsteil liegt inmitten der Berge, und viele Straßen und Wege führen von hier aus in die weitere Umgebung Langenbielaus. Aussichtstürme auf den verschiedenen Gipfeln der Berge lassen uns einen Blick nach Langenbielau und in das weite schlesische Land hineintun. Halbtags- und Tagestouren zeigen uns die ganze Fülle der Naturschönheiten des Eulengebirges.
Doch nicht nur im Frühjahr und Sommer laden das Gebirge und Langenbielau ein, sondern auch im Winter, wenn dichter Schnee die Berge bedeckt und damit dem Rodel- und Schisport die größten Möglichkeiten bietet.
Der Größe Langenbielaus entsprechend sind auch die kulturellen und sonstigen Einrichtungen. Vier große Volksschulen sind am Ort vorhanden. Die Horst-Wessel-Oberschule ist eine voll ausgebaute Lehranstalt und gibt die Möglichkeit, jedem Kind eine gute Schulausbildung fürs Leben zukommen zu lassen. Wöchentlich besuchen rund 2000 Schüler die hiesige Städtische Berufsschule, wo Lehrlinge praktische und theoretische Kenntnisse für das Leben sammeln. Entsprechend dem Rufe als Industriestadt besitzt Langenbielau die größte Sachschule für Textilindustrie des Ostens, die in Tages- und Abendkursen auf dem Gebiete der Färberei, Weberei und Schneiderei den jungen Menschen schult. Nicht nur Langenbielauer besuchen diese Schule, sondern auch Schülerinnen aus den entferntesten Teilen des Reiches.
Es vereint Langenbielau in sich nicht nur die Möglichkeiten des Stadtlebens, sondern auch die der Erholung in der näheren und weiteren Umgebung. Auch sonst ist in Langenbielau alles vorhanden, was zur Fortbildung und Erholung des Menschen dient.
Quelle: „Einwohnerbuch der Stadt und des Kreises Reichenbach (Eulengebirge)“, Breslau 1943, S. 106 ... 107
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