wtorek, 17 marca 2026

Hauptlehrer Ernst Zöfelt (Kreis Reichenbach im Eulengebirge) über die Vertreibung

Der aus dem niederschlesischen Kreis Reichenbach vertriebene Hauptlehrer Ernst Zöfelt berichtete, wie die Briten den Deutschen mit genauen Informationen und Fürsorge das Gefühl gaben, wieder als Menschen angesehen zu werden:


«Auf einer Zusammenkunft aller Wagenältesten in Kohlfurt wurde uns von den Briten mitgeteilt:


Erstens: Der Zug wird nach der Provinz Hannover, also nach Niedersachsen, weitergeleitet, wo wir in ein bis zwei Tagen anlangen.


Zweitens: Für eine gerechte Verteilung der vorhandenen und zusätzlich ausgegebenen Lebensmittel sind die Wagenältesten verantwortlich.


Drittens: Die Verpflegung muss noch für vier Tage ausreichen.


Viertens: Alle Kinder bis zu zwei Jahren und über zwei Jahre sind festzustellen zwecks Zuteilung von Trockenmilch. Für Kleinstkinder findet sich beim «Roten Kreuz» Badegelegenheit.


Fünftens: Den einzelnen Wagen werden noch Deutsche zugewiesen, die sich bis Kohlfurt durchgeschlagen haben und englischen Schutz in Anspruch nehmen.


Sechstens: Eine Trennung von Familien ist verboten. Zurückhaltung von Familienangehörigen durch die Polen ist zu melden.


Siebtens: Im Büro der englischen Kommission sind schriftliche Beschwerden einzureichen in folgenden Fällen:


a) Wenn für die Evakuierung zu wenig Zeit zur Verfügung stand,


b) Wenn Plünderungen, Erpressungen und körperliche Misshandlungen vorgekommen sind,


c) Wenn zu lange Anmärsche verlangt worden waren, und dabei die Benutzung von Handwagen unterbleiben musste.»


Ernst Zöfelt über die Wirkung dieser Mitteilung auf die Vertriebenen:


«Befreit atmeten alle auf. Nun hatte alle Bedrückung und Schikane und Unruhe ein Ende. Der Zug setzte sich wieder in Bewegung. Wir überfuhren die Neisse. Die Polenherrschaft lag hinter uns.»



Quelle: Günter Böddeker „Die Flüchtlinge — die Vertreibung der Deutschen im Osten”, Herbig-Verlag, München 1995 (fünfte Auflage), S. 305


Ernst Zöfelt war Hauptlehrer und Kantor in Groß Kniegnitz, wohnte allerdings in der Försterei in Prauß (Haus Nr. 26).



aus der Sammlung von Marcin Perliński (2026)

 

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poniedziałek, 16 marca 2026

"Aus der Geschichte Langenbielaus" (1930)

Aus der Geschichte Langenbielaus (1930)


Langenbielau gehört zu den jüngsten Städten unseres deutschen Vaterlandes. Obwohl seine große Bevölkerungszahl und seine große industrielle Bedeutung schon längst eine Stadtwerdung für notwendig erachteten, konnte dieses Ziel erst am 1. Mai 1924 verwirklicht werden. Damit ist für die Gemeinde Langenbielau ein Kampf, der seit etwa 56 Jahren, seit der Einführung der Kreisordnung 1872, mit Hartnäckigkeit, meist gegen den Willen der früheren Landräte, geführt wurde, zu einem glücklichen Ende gebracht worden.

Vom 1. Mai 1924 ab beginnt eine neue Epoche in der Geschichte unserer Stadt. Da lohnt es sich, rückwärts zu schauen, und die Schicksale Langenbielaus in den vergangenen Jahrhunderten zu überblicken.

Die Entstehungsgeschichte Langenbielaus ist in tiefes Dunkel gehüllt. Noch um das Jahr 1200 breitet sich von dem Eulengebirge an bis hin zur Peile der riesige Grenzwald, die Preseka, aus. Dieser Bannwald, von den später nach Schlesien einwandernden Deutschen der Hag genannt, diente zum Schutze gegen die räuberischen Böhmen jenseits des Gebirges. Es war verboten, im Bannwalde Bäume zu schlagen, auch durfte das Land vor dem Walde nicht bebaut werden. Nur wenige Pfade führten über das Gebirge, an den Übergängen waren mächtige Verhaue und an besonders geeigneten Stellen wurden Ringwälle angelegt, die den Grenzwachen zum Aufenthalt und Schutze dienten. Ein solcher Wall war auch auf dem Otternstein. Noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts fand man dort Feuerungen mit Asche und Überreste eines Ringwalles.

Erst zur Zeit Herzog Heinrichs I., des Bärtigen, des Gemahls der heiligen Hedwig, beginnt sich der Grenzwald zu lichten. Es entstehen längs des Gebirges deutsche Siedlungen. Nach seiner Anlage und der beträchtlichen Größe der Feldmark zu schließen, muss Langenbielau zur Zeit der ersten deutschen Einwanderung (1215—1235) entstanden sein, da alle Dörfer, die nach dem Mongoleneinfall 1241, also zur Zeit der zweiten deutschen Einwanderung, entstanden sind, eine weit geringere Flur aufweisen.

Ehe hier näher auf die Geschichte von Langenbielau eingegangen wird, muss bemerkt werden, dass Langenbielau im Wesentlichen, außer seiner früheren Einteilung in die einzelnen Gemeinden, aus zwei Teilen bestand, dem weltlichen oder säkularischen Teil, der sich in den Händen weltlicher Grundherren befand, und dem geistlichen oder präbendatischen Teil, der bis 1759 dem Kreuzstifte zu Breslau gehörte. (Letzterer Teil wurde auch im Volksmunde die „Domgemeinde" genannt, auch findet man in alten Urkunden für die Präbendaten oft die Bezeichnung „Thumbherren“).

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortsnamens geschieht 1282. In einer Urkunde der Stadt Reichenbach vom 5. Juli 1282, worin der Herzog Heinrich IV. eine Fundation bestätigt, wonach der Erbrichter Konrad von Reichenbach dem damaligen Pfarrer Heinrich bestimmte Einkünfte für die Kirche verspricht, wird als Zeuge neben Sibotonius von Petirswald auch Cunrad von Bela genannt. Als Ort wird Langenbielau im Jahre 1288 zuerst urkundlich erwähnt. In diesem Jahre gründete Herzog Heinrich IV. von Breslau, der von dem Sänger Tannhäuser besungene Minnesänger, dem Bischof Thomas I. von Breslau zu Ehren als Versöhnungsgeschenk nach langem Streite und zum Seelenheile seiner Oheime Wladislaus, weiland Erzbischof von Salzburg, Ottokar, weiland König von Böhmen und Boleslaus Herzog von Krakau, das Kollegiatsstift zum heiligen Kreuz innerhalb der Mauern seiner Breslauer Burg. Als Pfründe gab er unter anderem 48 große Zinshufen in Bela (Langenbielau). Der Name Bielau (bela, Bihlaw) ist slawischen Ursprungs und stammt von biela (poln.), „die Weiße“, so wurde der Bach wegen seines schäumenden Wassers genannt. Schließlich hatten die einwandernden Deutschen den Namen von den dort ansässigen slawischen Fischern übernommen und ihren Ort danach benannt. Im Jahre 1367 übertrug der Erbrichter Sindermann von der Biehle, der Weise genannt, mit Genehmigung des Herzogs Bolko von Schweidnitz den weltlichen Anteil Bielaus seinem Schwiegersohn Nickel von Peterkau, der aber die Herrschaft nur 10 Jahre besaß, da er schon im Jahre 1377 starb. Das Gut fiel als erledigtes Lehen an Kaiser Karl IV., König von Böhmen und wurde von diesem im gleichen Jahre für 100 Schock Prager Groschen (etwa 3450 Mark) an Heinrich von Czertitz verliehen. In den noch vorhandenen Urkunden führt dieses Gut den Namen Nedir Biele, später Bielaw, dann Bielau. (Den Namen Langenbielau erhielt der Ort erst in neuerer Zeit zur Unterscheidung von sechs anderen Orten Schlesiens, die auch den Namen Bielau führen.) Außer diesem Gute gab es noch ein Vorwerk von etwa 150 Morgen, das 1381 Otto von Peterswaldau gehörte, der es aber schon 1389 wieder weiterverkaufte. In der folgenden Zeit wechselten gar oft die Besitzer des Gutes Nieder-Bielau (jetzt Mittel-Langenbielau) und des Vorwerkes Neubielau. Es würde zu weit führen, hier den jedesmaligen Besitzwechsel eingehend zu schildern. Es seien hier nur einige Namen genannt: Sigismund von Pogrollo 1399—1410, Sigmund von Baumgarthen und seine Söhne 1410—1439, Johannes Czelner und seine Erben 1439—1508, Hans Seidlitz von Schönefeld und seine Söhne 1508—1605, Christoph von Rechenbergk und Oppach 1605—1618, für Nieder-(Mittel)-Bielau und Hinze von Peterswald bis 1472; von Knoblochsdorff bis 1479, Hans Fogeler bis 1504, Margarethe von Woderisch 1504—1529, Georg Elbill und Hans von Rohnau 1529—?, später Joachim von Netz für Neubielau. Christoph von Netz vereinigte durch Ankauf des Gutes Nieder-Bielau den Besitz im Jahre 1618.

In den Hussitenkriegen hatte auch Langenbielau schwer zu leiden. Von Weigelsdorf her, dessen Besitzer auf der Flucht umkam, kamen die plündernden Böhmen auch in unseren Ort. Die Bevölkerung hatte sich in die Wälder geflüchtet. Viele Häuser gingen in Flammen auf. Namentlich das Jahr 1428, als Reichenbach von den Hussiten berannt und zerstört wurde, war auch für unsern Ort ein Schreckensjahr. Zwischen Langenbielau und Peterswaldau, in der Richtung nach Reichenbach zu, fand auch ein Treffen zwischen Hussiten und einem schlesischen Heerhaufen statt; in dem Kampfe blieben die Ersteren Sieger. Einige Jahre darauf brachen die Böhmen von Steinkunzendorf her in unsere Gegend ein, neben Peterswaldau wurde auch Nieder-Bielau zerstört.

Im Jahre 1493 erhielt der damalige Besitzer von Nieder-Bielau neben der niederen Gerichtsbarkeit auch das „oberste Gericht“, d. h. nicht nur das Recht, Gefängnis- und Geldstrafen zu verhängen, sondern auch Verbrecher zum Tode zu verurteilen und die Todesstrafe vollstrecken zu dürfen.

Im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts wurde auch in Langenbielau die Reformation eingeführt, die bis dahin katholische Kirche wurde evangelisch, wurde aber am 9. März 1654 in Ausführung der Bestimmungen des Westfälischen Friedens den Katholischen wieder zurückgegeben. Während des Dreißigjährigen Krieges hatte Langenbielau viel zu leiden. Bis zum Jahre 1632 merkte es ja wenig von den Truppendurchzügen, da es nicht an der Heeresstraße Schweidnitz—Reichenbach—Frankenstein lag; nur eine Heerschar wurde von dem damaligen Kreisobristen Grafen von Gellhorn zu Peterswaldau auf den Bielauer Fluren abgehalten. Einige Jahre später begann die Leidenszeit. Die Wallensteinschen Truppen und später die Sachsen und Schweden hausten hier plündernd und raubend in derselben Weise, wie im benachbarten Reichenbach. 1633 brach eine furchtbare Pest aus, der der größte Teil der Bevölkerung zum Opfer fiel. Die Seuche war von marodierenden Soldaten aus dem Wallensteinschen Lager bei Schweidnitz hier eingeschleppt worden. Infolge der Plünderungen entstand hier eine große Teuerung. Der Scheffel Gerste kostete bis 50 Taler, der Roggen 24 bis 36 Taler, Gerste 16 bis 28 Taler, Hafer 16 bis 20 Taler. Bei dem Herannahen der schwedischen Truppen flüchtete die Bevölkerung Langenbielaus angstvoll in die nahen Wälder, die damals viel weiter als jetzt in das Tal hinabreichten. Sie wurde aber von den Schweden durch Spürhunde aufgestöbert und grausam misshandelt oder sogar getötet. Das in den Wäldern versteckte Vieh, 1200 Stück Rindvieh, 300 Pferde und 200 Schafe, fiel den Schweden am 9. Juni 1633 zur Beute. Nach dem Dreißigjährigen Kriege zählte Langenbielau kaum den vierten Teil der früheren Bevölkerung.

In den Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Kriege kam es zwischen der Stadt Reichenbach und der Gutsherrschaft Langenbielau (damals Herr von Netz) zu einem Rechtsstreit. Die Herrschaft hatte das Recht des Bierbrauens, des Branntweinschankes und des Backens, hatte auch eigene Schneider und Schuhmacher. Herr von Netz beanspruchte auch das Recht der eigenen Schlächterei. Die Stadt Reichenbach, in deren Weichbild das Gut lag, beschwerte sich beim Landeshauptmann der beiden Fürstentümer Schweidnitz und Jauer. Dieser, ein Freiherr von Bibran, entschied, dass das Recht der Schlächterei nur der Stadt zustehe. Ähnliche Streitigkeiten waren später (1693) zwischen der Herrschaft des weltlichen Anteils mit dem Präbendaten, bei denen dieb Grundherrschaft obsiegte.

Im Jahre 1672 verkaufte Herr von Netz die Güter Niederbielau (jetzt Mittel-Langenbielau) und Neubielau an Adam Bohuslaw von Sandreczky auf Weigelsdorf. Herr von Netz erwarb dafür die Herrschaft Weigelsdorf. Wegen eines Teiles der Waldungen erhoben sich später noch Streitigkeiten. (Die Familie Sandreczky stammt aus Ungarn und hieß früher Sandresky-Sandraschütz.) Im Jahre 1675, nach dem Aussterben der Piasten von Liegnitz, Brieg und Wohlau traf die Evangelischen Langenbielaus ein schwerer Schlag. Die drei ihnen am nächsten gelegenen beiden evangelischen Kirchen in Lampersdorf und Rosenbach wurden von dem österreichischen Kaiser eingezogen und ihnen dadurch der Besuch eines evangelischen Gottesdienstes unmöglich gemacht. Erst im Jahre 1708 wurden die genannten Kirchen auf Veranlassung Karls XII. von Schweden, der von dem Kaiser den Altranstädter Vertrag am 1. September 1707 erzwang, den Evangelischen wiedergegeben. Die Evangelischen Langenbielaus besuchten diese Kirchen bis zur Errichtung eines eigenen Bethauses 1742. Bei dem Besuche des Gottesdienstes in Rosenbach ereignete sich am ersten Weihnachtsfeiertage 1726 ein eigenartiger Unglücksfall. Eine Fleischermeistersfrau verirrte sich auf dem Rückwege, kam in ein Schneegestöber und erfror; ihre Leiche wurde nach einigen Tagen auf den Peilauer Feldern gefunden.

Bis zu dieser Zeit waren sämtliche Häuser Langenbielaus (der Name „Langenbühl" wird etwa um das Jahr 1711 das erste Mal erwähnt), aus Holz, meistens mit Stroh, seltener mit Schindeln gedeckt. Bei entstehenden Bränden fielen oft ganze Dorfteile der Feuersbrunst zum Opfer. (Die Hannigsche Chronik vom Jahre 1886 erwähnt eine große Anzahl von Feuersbrünsten in Langenbielau und wird deshalb auch scherzweise die „Brandchronik“ genannt; doch soll diese Bezeichnung keineswegs den großen Wert des Hannigschen Werkes schmälern.)

Im Jahre 1720 erstand das erste massive Haus, das sogenannte Herzog-Schlössel, später Girndt-Schlössel genannt, der heutige „Preußische Hof“. Als erstes steinernes Haus neben dem herrschaftlichen Schlosse erregte es damals nicht geringes Aufsehen und deshalb ist es erklärlich, dass das Volk das Entstehen dieses Hauses nur durch Hilfe übernatürlicher Kräfte ermöglicht glaubte. Erzählt doch die Sage, dass der Erbauer desselben die Zwerge von dem Herrleinberge nach dem Zobten gefahren, weil es ihnen in Bielau nicht mehr behagte, und dafür reichen Lohn erhalten habe. Es dauerte aber doch noch fast ein Jahrhundert, ehe (nach dem großen Brande im Jahre 1812) die massive Bauweise stärkeren Eingang in Langenbielau fand.

Gar oft hatte der Ort unter der Pest und anderen Seuchen zu leiden. Im Jahre 1713 war sie von einem alten Soldaten, der aus den Türkenkriegen heimkehrte und aus Ungarn Leinwand mitbrachte, eingeschleppt. Er verkaufte die verpestete Leinwand an einen hiesigen Bauern namens Heinze, in dessen Hause bei Verwendung der verarbeiteten Leinwand die Pest zum Ausbruch kam. Bald waren alle Bewohner von der furchtbaren Seuche dahingerafft; durch die Näherin, die die Leinwand verarbeitet hatte, wurde die Pest weiter verbreitet. Die Walkgasse, in der die Seuche begonnen hatte, starb völlig aus, auch die nebenliegenden Gassen. Plötzlich hörte die Seuche im Jahre 1714 auf; an der Stelle, bis zu der sich die Pest ausgebreitet hatte, erbaute man eine Kapelle, die sich bis heute erhalten hat. Die Pestkapelle, wie sie jetzt noch genannt wird, steht im Garten des Fabrikbesitzers Rosenberger, der sie auf seine Kosten neu erbauen ließ.

Die Weberei, die schon um 1600 in Langenbielau betrieben wurde, war durch den Dreißigjährigen Krieg fast völlig vernichtet worden; doch blühte sie bald wieder von neuem auf. Im Jahre 1659 wurden schon wieder 400 Webstühle in unserem Orte gezählt. In den Aufzeichnungen der Leinwandinspektoren des Fürstentums Schweidnitz-Jauer vom Jahre 1725 wird unter den Orten, wo Weberei getrieben wurde, auch „Bylau" genannt. Auch die Schön- und Schwarzfärberei fand in Langenbielau Eingang. Einen großen Aufschwung nahm die Weberei in Langenbielau im Jahre 1728 durch die Einwanderung fremder geübter Weber und Spinner. Dies hatte folgenden Grund: Graf von Promnitz zu Peterswaldau hatte im Jahre 1728 nach langem Bemühen das kaiserliche Privilegium erhalten, neben bekannten Zeugen auch in Schlesien noch nicht hergestellte Zeuge von gewalktem Etamium, Cursai, Drogets u. a. zu fabrizieren und in Polen, Brandenburg und Sachsen zu verkaufen. Das Privileg war von zwanzigjähriger Gültigkeitsdauer. Dem Grafen von Promnitz wurden aber von vielen Seiten, namentlich von den Reichenbacher Zeugmachern, große Schwierigkeiten gemacht — so, dass schließlich die von ihm aus dem Vogtlande und aus Sachsen herbeigeholten geübten Weber und Spinner wieder abzogen; ein großer Teil von ihnen ging nach Langenbielau, wo sie unter günstigeren Verhältnissen ungestört ihre Kenntnisse und Befähigungen verwerteten. (Es wurden vorzugsweise Leinwand, Wollwaren und halbseidene Zeuge gewebt. An Materialien zu diesen Fabrikaten wurden außer den notwendigen Chemikalien benutzt: Seide, Biberhaare und Kamelhaare; die Leipziger Handelshäuser lieferten feine Wolle aus Spanien, auch fertiges Wollgarn aus dem Auslande, und die gewöhnliche Schafwolle, die zum großen Teil durch Schafzucht auf den hiesigen Gütern gewonnen, aber auch durch Juden aus Polen eingeführt wurde. Durch die drei schlesischen Kriege trat auch hier eine Stockung der Textilindustrie ein, die fast hundert Jahre anhielt, da durch den Übergang Schlesiens an Preußen das frühere große österreichische Absatzgebiet seine Grenzen verschloss.

Langenbielau hatte unter den Wirren dieser Kriege sehr zu leiden. Im Januar 1741 traf Friedrich II. in Langenbielau mit zwei Schwadronen Kavallerie ein und wurde von der Bevölkerung, namentlich von dem evangelischen Teil, mit Begeisterung empfangen. Er übernachtete im Schlosse des Freiherrn Friedrich von Sandreczky, der übrigens am 7. November 1741 bei der Huldigung der Stände Schlesiens im Rathause zu Breslau in den Grafenstand erhoben wurde. In den ersten Monaten des Jahres 1741 war das Eulengebirge von österreichischen Truppen besetzt, die oft in die Ebene mit Kavalleriepatrouillen herunterstießen und die in den Dörfern der Peileebene lagernden Preußen überfielen. In Langenbielau wäre sogar König Friedrich beinahe in Gefangenschaft geraten. Das Dorf wurde mit schweren Kontributionen, die sowohl von preußischer als auch von österreichischer Seite gefordert wurden, belastet und auch zu sonstigen Kriegsleistungen herangezogen. 1741 wurde durch preußische Husaren bei Langenbielau eine Fuhrkolonne, die angeforderte Lebensmittel von Peterswaldau und Peiskersdorf in das österreichische Lager bringen sollte, aufgehoben und in das preußische Lager nach Strehlen geführt. Die Gemeinde musste auch oft auf längere Zeit eine große Anzahl Arbeitskräfte zu Schanzarbeiten nach Schweidnitz stellen. Im Jahre 1741 richtete die evangelische Gemeinde ein mit 192 Unterschriften versehenes Gesuch an den König um Erlaubnis zur Erbauung eines Bethauses und um die Befugnis zur Anstellung eines Geistlichen, sowie eines Stellvertreters, der zugleich die Leitung der Schule übernehmen sollte, und dreier Lehrer. Die Bitte wurde erfüllt, am 11. Januar 1742 erhielten die Bittsteller den Bescheid, dass der König ihnen die Erbauung eines Bethauses und die Anstellung der Geistlichen und Lehrer gestatte. So wurde von dem Preußenkönig ein vor etwa 90 Jahren von den glaubensfanatischen Habsburgern den hiesigen Evangelischen zugefügtes Unrecht wieder gutgemacht, doch war die Bestimmung getroffen worden, dass die Einnahmen der katholischen Geistlichen nicht geschmälert werden sollten. Diese drückende Verfügung wurde 10 Jahre später aufgehoben. Am 2. Juli 1743 wurde die evangelische Kirche eingeweiht. (Wie weit die Geschichte der katholischen Kirche zurückreicht, lässt sich nicht ermitteln, doch wird angenommen, dass hier schon vor 1288 eine Kapelle gestanden hat.)

Der neue Herrscher erkannte den Wert der am Fuße des Eulengebirges blühenden Textilindustrie und suchte sie nach allen Kräften zu fördern. So brach für die hiesigen Weber eine gute Zeit an; bedeutende Heereslieferungen brachten reichen Gewinn. Leider waren der hiesigen Webindustrie nach dem zweiten Schlesischen Kriege nur 10 Jahre der Blüte beschieden; im Jahre 1756 brach der Siebenjährige Krieg aus, der für jeglichen Handel und Verkehr die völlige Vernichtung brachte. In den Jahren 1756 bis 1758 musste das Dorf bedeutende Lieferungen an Getreide und Futtermitteln nach den Magazinen Schweidnitz, Dreißighuben, Striegau und Waldenburg leisten; außerdem waren hier noch einige Bataillone Infanterie einquartiert. Im Oktober 1757 lagen hier längere Zeit österreichische Truppen, die erst nach der Schlacht bei Leuthen von den Preußen unter General von Ziethen verjagt wurden. Räuberische Kroaten plünderten in den Jahren 1761 und 1762 das Dorf wiederholt aus. Vor der Belagerung von Schweidnitz trieben sie den verarmten Bewohnern, unter denen infolge der Entbehrungen schon der Skorbut herrschte, ihr letztes Vieh weg. Im Jahre 1762 fand in Mittel-Langenbielau ein kleines Scharmützel statt, wobei zwei preußische Husaren erschossen und in einem Garten begraben wurden.

Während der Schlacht am Fischerberge am 16. August 1762 hatte das preußische Freiregiment von Horst die Herrleinberge bei Langenbielau besetzt, wurden aber von den kaiserlichen Truppen vertrieben und durch das Dorf nach Peterswaldau zurückgedrängt. Auf ihrem Rückzuge plünderten die Österreicher die Bielauer Dörfer aufs Härteste und raubten dabei auch die Kirchkasse der Evangelischen aus der Wohnung des Pastors. Kurz vor Kriegsende kam es noch zu einem kleinen Scharmützel bei Neubielau, wobei der Kommandeur des daran beteiligten preußischen Freibataillons fiel.

Noch zweimal drohte auch unserem Orte erneut die Gefahr, aufs Neue Schauplatz kriegerischer Wirren zu werden. Beide Male, zur Zeit des Bayrischen Erbfolgekrieges (1779) und des Reichenbacher Kongresses (1790) hatte Langenbielau beträchtliche Einquartierung; auch musste der Ort für die Festungen Schweidnitz und Silberberg erhebliche Mengen an Holz und Fourage liefern. Im Juni 1790 wurde durch königlichen Spezialbefehl der wechselseitige Verkehr zwischen Preußen und Österreich verboten; diese Verfügung traf die hiesigen Fabrikanten und Kaufleute, die mit Böhmen gute Handelsbeziehungen hatten, sehr schwer; zum Glück wurde nach einigen Wochen das Verbot wieder zurückgenommen.

Wie bedeutend die Textilindustrie schon um das Jahr 1800 in Langenbielau war, beweist die Tatsache, dass in dem genannten Jahre nicht weniger als 1100 Baumwollstühle, 440 Leinenstühle, 150 Wollstühle und 15 andere Stühle in Betrieb waren.

Die Franzosenzeit 1806—1808 und die nachfolgenden kriegerischen Jahre bis Ende der Befreiungskriege bedeuteten für die Langenbielauer Textilindustrie einen schweren Rückschlag; aber auch die hiesige Bevölkerung hatte sehr unter den Wirren des Krieges zu leiden. Schon ehe die Franzosen nahten, wurden die Einwohner Langenbielaus zu Schanzarbeiten an der Festung Silberberg herangezogen. Sämtliche Straßenübergänge über das Gebirge mussten mit Verhauen versehen werden. Im Januar 1807 musste die Gemeinde Langenbielau bedeutende Mengen von Lebensmitteln, namentlich Wild, Geflügel und Wein, in das Lager des Generals Vandamne nach Groß-Strehlitz liefern. Als sich die Rheinbundtruppen, namentlich die Württemberger, grobe Ausschreitungen zuschulden kommen ließen, erbat und erhielt auch Graf von Sandreczky von General Vandamne einen Schutzbrief für sich und die Gemeinde, der für eine Zeitlang half, zumal auch eine Schutzgarde eingerichtet wurde. Auch nach dem Frieden von Tilsit dauerten die Bedrückungen durch die Feinde fort. Langenbielau, Reichenbach und Peterswaldau mussten große Mengen Tuch, Hemden und Beinkleider für die französischen Truppen und warme Decken für die Lazarette liefern. Außerdem wurden erhebliche Kriegssteuern gefordert — so, dass die Bevölkerung freudig aufatmete, als endlich im November 1808 die feindlichen Truppen abzogen. Mit großer Begeisterung wurden die Ende November aus Silberberg einrückenden preußischen Soldaten begrüßt; ein Teil von ihnen blieb in Langenbielau, der andere Teil zog am folgenden Tage (28. November) nach Peterswaldau weiter.

Der schon oben erwähnte große Brand vom Jahre 1812 entstand bei einem Bauerngutsbesitzer Guhr, bei dem 10 Stück Rindvieh und viel Geflügel verbrannten. Infolge eines heftigen Sturmes breitete sich das Feuer mit rasender Geschwindigkeit aus — so, dass in kurzer Zeit 47 Besitzungen, 2 Auszughäuser und 10 Scheunen den Flammen zum Opfer fielen. 129 Familien wurden dadurch obdachlos. Es war ein schwerer Schlag für die hiesige Bevölkerung, die ohnehin durch die Lasten des verlorenen Krieges verarmt war. Während der Befreiungskriege trug auch die Langenbielauer Bevölkerung freudig und willig die Lasten des Krieges zum Wohle des Vaterlandes. Während des Waffenstillstandes im Juni und Juli 1813, als in Reichenbach das Hauptquartier der Verbündeten war, waren in Langenbielau russische Garderegimenter einquartiert. Im Schlosse wohnte eine Zeitlang der preußische Kanzler von Hardenberg. Die russischen Gäste hatten sich durch gelegentliche Diebstähle und Plünderungen so unliebsam gemacht, dass man sie nach Ablauf des Waffenstillstandes mit Freuden scheiden sah. In Langenbielau wurde auch eine Landsturmkompagnie gebildet, die vorzugsweise zu Gefangenentransporten verwendet wurde.

In den Jahren 1819 und 1829 wurde Langenbielau von großen Überschwemmungen heimgesucht. Im Jahre 1837 wurde durch den Langenbielauer Gewerbeverein die Jacquardweberei im Kreise Reichenbach eingeführt. Trotz aller Fortschritte in der industriellen Entwicklung befand sich damals die Textilindustrie in einer äußerst verzweifelten Lage. Die Kriegswirren und die dadurch hervorgerufenen Absatzschwierigkeiten hatten der hiesigen Weberei sehr geschadet. Namentlich die Leinenindustrie ging sehr zurück, da ihr durch die Webereien der Grafschaft und des Landeshuter Bezirks sehr starke Konkurrenz bereitet wurde. Nach Aufhebung der Kontinentalsperre überschwemmte England den deutschen Markt mit billiger Webware, die weit unter dem Preise der in der hiesigen Industrie hergestellten lag, da England infolge zeitigerer Einführung der mechanischen Weberei weit billiger arbeiten konnte. Durch diese Konkurrenz geriet die hiesige Webindustrie in eine schwierige Lage, die sich naturgemäß in erster Linie auf die Lohnverhältnisse der Gebirgsweber auswirkte. Vergebens wurde seitens der Kreisbehörden auf die bedrängte Lage der Baumwollindustrie in unserer Gegend und auf das furchtbare Weberelend aufmerksam gemacht; die Breslauer Regierung glaubte nicht daran und Oberpräsident Merkl sandte schöngefärbte Berichte nach Berlin — so, dass die preußische Staatsregierung über die hiesigen Verhältnisse völlig im Unklaren war. Verschiedene Missernten und die darauffolgende Teuerung vermehrten das Elend. Dazu kam, dass es gewissenlose Aufkäufer und Abnehmer gab, die die Not der armen Gebirgsbevölkerung ausnützten und ihr die Erzeugnisse zu Hungerpreisen abkauften. Dies und die Tatsache, dass leider einzelne Fabrikanten in unserer Gegend damals so wenig soziales Verständnis besaßen, dass sie lieber ihre Ware in Böhmen für billigeres Geld anfertigen ließen, anstatt den hiesigen Webern Arbeit zu geben, trieb schließlich die ergrimmte Weberbevölkerung zu offener Empörung. Am 4. und 5. Juni 1844 brach in Peterswaldau und Langenbielau der bekannte Weberaufstand aus, der seinen Widerhall in der ganzen Welt fand. In beiden Orten wurden einige Fabrikbetriebe völlig zerstört. Es mag dahingestellt sein, ob die Volkswut gerade die Schuldigen traf; manche Fabrikanten hatten die Empörer durch Geldzahlungen beschwichtigt. Auch nach dem Aufstand, der blutig niedergeschlagen wurde, bestand das Weberelend unvermindert fort; trotz aufopfernder privater Hilfstätigkeit konnte die Not nicht gemindert werden, da die Staatsbehörden, in starrem Bürokratismus befangen, völlig versagten und den hier in Langenbielau durch den Aufstand schwer getroffenen Firmen Dierig und Hilbert und Andretzki, die trotz ihrer verzweifelten Lage bemüht waren, ihren Webern Arbeit und Brot zu geben, jegliche Hilfe verweigerten. Es ist bekannt, dass diese Ereignisse dem schlesischen Dichter Gerhart Hauptmann den Stoff zu seinem berühmten Drama „Die Weber“ lieferten. Heute sind höchstens noch 8 Hausweber am Ort, die mühsam ihr Leben fristen.

Zähe und unverdrossen trotz aller Hemmnisse strebte die Langenbielauer Textilindustrie vorwärts. Im Jahre 1850 wurde in Langenbielau als erstem Ort im Kreise der mechanische Betrieb der Weberei eingeführt. Seit dieser Zeit begann hier ein rasches Aufstreben der Textilindustrie. Es entstanden die heutigen Großbetriebe. Im Jahre 1886 wurden in Langenbielau 7 Appretur- und Färbereiunternehmen, 2 Baumwollspinnereien und 7 Baumwoll-Webfabriken gezählt. Die Firma Christian Dierig gilt heute als das größte und älteste Textilunternehmen Schlesiens. Andere Betriebe, wie G. F. Flechtner, Franz Rosenberger, Josef Fröhlich, Postpischil, Julius Neugebauer, Gottlob Jung, Josef Gritzbach, die Textilwerke Mautner AG haben ebenfalls eine Entwicklung in stetig aufsteigender Linie zu verzeichnen — so, dass unsere Stadt unter den Industrieorten unserer Provinz eine bedeutende Rolle spielt.

Die Entwicklung des Ortes hat mit der Industrie gleichen Schritt gehalten. 1826 wurde die erste Apotheke von Apotheker Schütz errichtet. Im Jahre 1840 wurde in Langenbielau eine Postanstalt 2. Klasse und 1844 in Ober-Langenbielau eine Postannahmestelle eingerichtet, die aber schon 1846 in eine Postexpedition umgewandelt wurde. Mit der aufstrebenden Industrie nahm auch der Postverkehr ständig zu — so, dass im Jahre 1861 die Postanstalt 2. Klasse in Mittel-Langenbielau in ein Postamt 1. Klasse und die Postexpedition in Ober-Langenbielau in ein Postamt 2. Klasse (jetzt auch 1. Klasse) umgewandelt wurde. 1864 bzw. 1874 wurden mit den Postanstalten Telegrafenämter verbunden. 1864 wurde die Gasbeleuchtung und 1866 die Straßenbeleuchtung eingeführt.

Die in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erfolgte Zusammenfassung der vier Gemeinden Neu-, Ober-, Mittel- und Nieder-Langenbielau zu einer Gesamtgemeinde und die Anlage der Staatsbahnlinie Reichenbach—Oberlangenbielau (1891), zu der die Ende des Jahres 1900 erfolgte Eröffnung der Eulengebirgsbahnlinie Reichenbach—Peterswaldau—Oberlangenbielau—Silberberg trat, waren für die Entwicklung des Ortes von besonderer Bedeutung. Der Aufschwung der neuen Gemeinde zeigt sich am besten in der Entwicklung der Bevölkerungsziffer, die in nachstehenden Zahlen veranschaulicht wird:


im Jahre 1785 = 6698 Einwohner

im Jahre 1800 = 8400 Einwohner

im Jahre 1814 = 6991 Einwohner

im Jahre 1840 = 11 271 Einwohner

im Jahre 1865 = 13 088 Einwohner

im Jahre 1873 = 12 665 Einwohner

im Jahre 1880 = 13 177 Einwohner

(außerdem im Gutsbezirk 367 Einwohner)

im Jahre 1885 = 14 410 Einwohner

(außerdem im Gutsbezirk 322 Einwohner)

im Jahre 1890 = 16 015 Einwohner

im Jahre 1895 = 17 200 Einwohner

im Jahre 1900 = 19 122 Einwohner

im Jahre 1905 = 19 663 Einwohner

im Jahre 1910 = 18 514 Einwohner

im Jahre 1915 = 17 411 Einwohner

im Jahre 1920 = 16 868 Einwohner

im Jahre 1925 = 17 704 Einwohner


Der Gutsbezirk Langenbielau, der im Jahre 1926 in die Stadt Langenbielau eingemeindet wurde, zählte im Jahre 1925 exakt 462 Einwohner — so, dass die Gesamtbevölkerungsziffer der Stadt im genannten Jahre 18 166 Seelen betrug. Langenbielau ist also die größte Gemeinde des Kreises, da ja die Kreisstadt Reichenbach nur 16 504 Einwohner zählt.

Unsere Stadt hat vorläufig zufolge ihrer Entstehung aus mehreren Dorfgemeinden eine langgestreckte Gestalt. Sie zieht sich über eine Meile lang in der Richtung von Nordosten nach Süden hin am Bielebach entlang. Der oberste Teil — Neubielau — ist rings von Bergen eingeschlossen, während Mittel- und Niederlangenbielau in der Ebene liegen. Neubielau ist eines der Eingangstore für den Touristenverkehr nach dem Eulengebirge und gilt auch als beliebter Aufenthalt für Sommerfrischler. Zu Langenbielau gehören auch die beiden Kolonien Steinhäuser und Schumannsheide, die sich wohl im Laufe der Zeit angesichts der regen Bautätigkeit mit dem Stadtganzen vereinigen werden. Es werden wohl noch Jahrzehnte vergehen, bis der in diesem Jahre aufgestellte neue Besiedelungsplan, der das Stadtbild vorteilhaft verändert, zur völligen Ausführung gelangt. Bemerkenswert ist die geografische Tatsache, dass der Ort am Umfange 285 m über dem Meeresspiegel liegt, während am Ende eine Höhe von 443 m zu verzeichnen ist. Der Höhenunterschied zwischen beiden Ortsenden beträgt also 158 m. Es kommt deshalb im Frühjahr bei Tauwetter vor, dass innerhalb der Ortslage drei verschiedene Wetterzonen vorhanden sind. In Niederlangenbielau ist der Schnee vollständig verschwunden, in der Mitte taut es, während in Neubielau noch Schnee und Eis zu finden sind.

Einige Sagen, die der Vergessenheit entrissen zu werden verdienen und die hier in Langenbielau spielen, sollen mit erwähnt werden. Von den schon oben erwähnten Zwergen wird noch erzählt, dass sie von ihren reichen Schätzen den armen Menschen oftmals etwas schenkten, aber Geizhälse mitunter recht ärgerten und bestraften. Vom grünen Jäger erzählt man, der Oberförster gewesen sein und Kratzer geheißen haben soll. In der ganzen Umgegend wegen seiner grausamen Härte sehr gehasst, soll er eines Tages im Walde von einem Felsen gestürzt sein und den Hals gebrochen haben. Im Grabe habe er aber keine Ruhe gefunden, sein Geist ist umgegangen, bis er von einigen „Verbannern“ auf die Hohe Eule verbannt worden ist. Dort hat man ihn vergraben und einen großen Stein auf das Grab gelegt und seitdem hat niemand mehr etwas vom Kratzer, dem grünen Jäger, gehört. Zwerghafte Holz- oder Puschweibel will man in früherer Zeit im Walde gesehen haben, die sich vor fremden Menschen scheu versteckten, die aber sonst niemand etwas zuleide taten. Im sogenannten Türkengarten in Neubielau soll vor langer Zeit einmal ein Türke gelebt haben, der der Schrecken der ganzen Bevölkerung war. Er beraubte und erschlug die vorübergehenden Leute, bis sich die Bauern zusammenrotteten, den Räuber fingen und zum Tode verurteilten. Vier Ochsen rissen den Türken bei lebendigem Leibe auseinander und ein Bein wurde zur Warnung an eine Fichte gehängt. Die Sage erzählt weiter, dass einer Frau, die an dem Bein vorüberging und ihr Bedauern darüber äußerte, dasselbe auf den Rücken gesprungen sei und sie musste es bis ins Dorf tragen. Am Gasthaus ist das Bein wieder heruntergesprungen. Viele Kisten mit Geld, die man im Hause des Türken gefunden haben will, sollen unter die Armen verteilt worden sein. So zieht auch die Sage den Kranz der Romantik um unsere junge Stadt und zeigt, dass Langenbielau immerhin etwas Vergangenheit hat.

So hat Langenbielau im Wandel der Jahrhunderte gar mancherlei erlebt und erlitten. Möge ein gütiges Geschick die junge Stadt vor ähnlicher Not, „Krieg, Pestilenz, Wassers- und Feuersnot", wie in vergangener Zeit, bewahren und möge sie unter der bewährten Leitung ihres rührigen Bürgermeisters und der treuen Mitarbeit einer zielbewussten und weitblickenden Stadtverwaltung weiterhin wachsen und blühen!


H. Walther (Schobergrund)

in: „Adressbuch der Stadt Langenbielau“ (1930), S. 5—13

Texterkennung und Anpassung an neue Rechtschreibregeln: Marcin Perliński (2026)




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preußische Meile (Landmeile) = 7.5 km 

środa, 11 marca 2026

Sprawdzony układ powielania 16 na 144 MHz

Koncepcja krzesania dziewiątej harmonicznej kwarcu wielokrotnie realizowana praktycznie przez ambitniejszych radiolutowaczy, typy tranzystorów nie są krytyczne, liczba AL dla proszkowca T50-6 do wydłubania tutuż. Proszę nie zapomnieć o użyciu kondziorów 220 pF w inkarnacji NP0 (nadają się też oczywiście MLCC, C0G itp.). Przy uruchamianiu wskazane posiadanie przynajmniej sondy wielkiej częstotliwości oraz "wysoko pokazującej" f-miarki (czyli z użyciem preskalera dzielącego np. przez 4, 8, 64 lub jeszcze lepiej przez 10 lub 100, zdolnego do "łykania" na wejściu sygnałów VHF/UHF), oscyl nie jest bezwzględnie i kategorycznie obowiązkowy, choć pewnie też by był incydentalnie pomocny, zwłaszcza w sytuacji, gdy dysponujemy bardziej drogim i "wypasionym", który mierzy i pokazuje przebiegi np. do 200 MHz. Miło by było także mieć czym odebrać nośną 144 MHz, czyli prosty odbiornik nasłuchowy też by nie zaszkodził.

Jest to radiotechniczna wiedza niestety pomału zanikająca z uwagi na rozprzestrzenianie się chinopierdółkarstwa, czyli majsterkowania na bazie modułów-gotowców.

Punkty pomiarowe TP1 i TP2 do podłączania przyrządów pomiarowych, czyli (między innymi także) do zestrojenia na faktyczną dziewiątą harmoniczną, a nie pomyłkowo na niepożądaną drugą, trzecią, piątą czy siódmą.

Uzyskany sygnał wyjściowy można w razie potrzeby modulować częstotliwościowo, np. poprzez dopierdyknięcie dodatkowej diody pojemnościowej (i kondziorka separującego) w okolicach bazy T1 lub T2* lub amplitudowo (np. poprzez trafko na szynie plusowej lub w dowolny inny sensowny sposób).

* w zależności od tego, jak dużą/szeroką dewiację chcesz ostatecznie uzyskać oraz od tego, jaki sygnał zamierzasz transmitować

Być może ktoś się jeszcze odważy wykonać samodzielnie ...

 

(Marcin Perliński)