wtorek, 17 marca 2026

Hauptlehrer Ernst Zöfelt (Kreis Reichenbach im Eulengebirge) über die Vertreibung

Der aus dem niederschlesischen Kreis Reichenbach vertriebene Hauptlehrer Ernst Zöfelt berichtete, wie die Briten den Deutschen mit genauen Informationen und Fürsorge das Gefühl gaben, wieder als Menschen angesehen zu werden:


«Auf einer Zusammenkunft aller Wagenältesten in Kohlfurt wurde uns von den Briten mitgeteilt:


Erstens: Der Zug wird nach der Provinz Hannover, also nach Niedersachsen, weitergeleitet, wo wir in ein bis zwei Tagen anlangen.


Zweitens: Für eine gerechte Verteilung der vorhandenen und zusätzlich ausgegebenen Lebensmittel sind die Wagenältesten verantwortlich.


Drittens: Die Verpflegung muss noch für vier Tage ausreichen.


Viertens: Alle Kinder bis zu zwei Jahren und über zwei Jahre sind festzustellen zwecks Zuteilung von Trockenmilch. Für Kleinstkinder findet sich beim «Roten Kreuz» Badegelegenheit.


Fünftens: Den einzelnen Wagen werden noch Deutsche zugewiesen, die sich bis Kohlfurt durchgeschlagen haben und englischen Schutz in Anspruch nehmen.


Sechstens: Eine Trennung von Familien ist verboten. Zurückhaltung von Familienangehörigen durch die Polen ist zu melden.


Siebtens: Im Büro der englischen Kommission sind schriftliche Beschwerden einzureichen in folgenden Fällen:


a) Wenn für die Evakuierung zu wenig Zeit zur Verfügung stand,


b) Wenn Plünderungen, Erpressungen und körperliche Misshandlungen vorgekommen sind,


c) Wenn zu lange Anmärsche verlangt worden waren, und dabei die Benutzung von Handwagen unterbleiben musste.»


Ernst Zöfelt über die Wirkung dieser Mitteilung auf die Vertriebenen:


«Befreit atmeten alle auf. Nun hatte alle Bedrückung und Schikane und Unruhe ein Ende. Der Zug setzte sich wieder in Bewegung. Wir überfuhren die Neisse. Die Polenherrschaft lag hinter uns.»



Quelle: Günter Böddeker „Die Flüchtlinge — die Vertreibung der Deutschen im Osten”, Herbig-Verlag, München 1995 (fünfte Auflage), S. 305


Ernst Zöfelt war Hauptlehrer und Kantor in Groß Kniegnitz, wohnte allerdings in der Försterei in Prauß (Haus Nr. 26).



aus der Sammlung von Marcin Perliński (2026)

 

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