wtorek, 24 lutego 2026

Erich Hasse: "Reichenbach im Eulengebirge — Abriss seiner Geschichte und Sehenswürdigkeiten" (1943)

Reichenbach im Eulengebirge

a) Abriss seiner Geschichte

Reichenbach, am Fuße des Eulengebirges gelegen, wird urkundlich zum ersten Male 1250, als Stadt im Jahre 1268, erwähnt. Doch ist mit Sicherheit anzunehmen, dass schon viele Jahrzehnte vorher eine Niederlassung, die unter den Piastenherzögen Boleslaus dem Langen (1163-1201) und Heinrich I. von fränkischen Kolonisten planmäßig angelegt wurde und später städtischen Charakter erhielt. Es steht mit Sicherheit fest, dass in Reichenbach um das Jahr 1200 bereits ein beträchtlicher Wohlstand herrschte und der Ort im Aufblühen begriffen war. Diese Aufwärtsentwicklung kam vor und während des Dreißigjährigen Krieges zum Stillstand. Die Pest, die Hussitenkriege und die Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges. Die Habsburger, denen 1526 Schlesien zugefallen war, kümmerten sich um den Wiederaufbau der Stadt wenig. Als Reichenbach 1741 zu Preußen kam, betrug seine Einwohnerzahl kaum mehr als 2000.

Mit der preußischen Herrschaft begann für die Stadt eine neue Blütezeit, die sie der besonderen Fürsorge des Großen Preußenkönigs verdankt. Bei seinen wiederholten Besuchen hat Friedrich der Große die Stadt durch besondere Beweise seiner Gunst ausgezeichnet. In einem an seinen Freund Jordan gerichteten Briefe vom 31. August 1743 schreibt der König unter anderem: „Wir haben hier die schönste Aussicht in Schlesien. Es ist die reizendste Landschaft der Welt!“ Nach dem Siebenjährigen Kriege ließ Friedrich II. in der Stadt 40 Häuser neu errichten, unter ihnen auch das Hotel „Schwarzer Adler“ (das jetzige Finanzamt und der Inschrift befindet: „Durch die Gnade des Großen Friedrich stehe ich da, der schwarze Adler, für Dich, den ruhenden Wanderer!“

Während des Siebenjährigen Krieges fand in unmittelbarer Nähe von Reichenbach, am 16. August 1762, die Schlacht am Fischerberge statt, die letzte Schlacht auf schlesischem Boden, die zugleich den Ausschlag gab für das Verbleiben Schlesiens bei Preußen. Zur Erinnerung an diese Schlacht übergab der Herzog August Wilhelm von Braunschweig-Bevern, der Sieger der Schlacht am Fischerberge, bei seinem Besuche im November 1762 der Stadt Reichenbach sein Ölporträt, das heute im Heimatmuseum hängt.

28 Jahre später, am 27. Juli 1790, spielte sich in den Mauern Reichenbachs erneut ein historisches Ereignis, das für die Geschichte Preußens bedeutungsvoll war, ab. In dem damaligen Sadebeckschen Hause, Ring 51, fand der Kongress von Reichenbach statt. Russland und Österreich führten in jener Zeit Krieg gegen die Türkei mit dem Ziele, die Türken aus Europa zu verdrängen. Friedrich Wilhelm II., der verhindern wollte, dass diese beiden Nachbarstaaten Preußens zum Schutze der Türkei. Die Haltung Preußens bestimmte Österreich, im von Reichenbach mit der Türkei Frieden zu schließen und auf Eroberungen zu verzichten.

Um das Jahr 1800 spielte in der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt die Familie Sadebeck eine hervorragende Rolle. Friedrich Sadebeck im Reichenbacher Bezirk. Er sorgte für Absatzgebiete und machte Reichenbach zur Weberstadt.

Durch Preußens unglücklichen Krieg 1806/1807 wurde die Entwicklung der Stadt abermals gehemmt. Die letzten feindlichen Besatzungstruppen verließen erst im November 1808 die Stadt, die durch die Besatzung und die kriegerischen Ereignisse schwer gelitten hatte. Während des Waffenstillstandes vom 4. Juni bis zum 12. August 1813 wohnte vom Stein im Hause Pulverweg 1. Auch Ernst Moritz Arndt, Max Schenkendorf und Theodor Körner hatten sich in Reichenbach eingefunden. Letzterer wohnte im Hause des Grafen Geßler, Ring 19 (heute „Reichenbacher Tageblatt“). Das preußische Hauptquartier — 2400 Personen — war zu dieser Zeit in Reichenbach untergebracht. Kaiser Alexander von Russland wohnte im Peterswaldauer SchlosseKönig Wilhelm III. im Neudorfer Schlosse, Prinz Wilhelm (der spätere Kaiser Wilhelm I.) und Prinz Friedrich Karl im Lehngut Reichenbach-Аltstadt.

Nach den Freiheitskriegen nahm Reichenbach einen erfreulichen Aufschwung. 1816 bis 1820 war die Stadt Sitz einer königlichen Regierung für die schlesischen Gebirgskreise, der die Kreise Reichenbach, Frankenstein, Münsterberg, Nimptsch, Schweidnitz, Striegau, Jauer, Bolkenhain, Schönau, Hirschberg, Landeshut, Waldenburg, Glatz und Habelschwerdt angehörten. Regierungsgebäude war das Haus Ring Nr. 40, der damalige „Rote Hirsch“.

Das Aufkommen der mechanischen Weberei ließ in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Reichenbach zahlreiche industrielle Anlagen entstehen, die es zu einer der bedeutendsten Industriestädte Schlesiens machten. Mit der Eingemeindung von Ernsdorf (jetzt Reichenbach-Niederstadt) im Jahre 1890 trat Reichenbach in die Reihe der Orte mit mehr als 10 000 Einwohnern.

Der Weltkrieg 1914—1918 und seine Nachwehen hemmten die gesunde wirtschaftliche Entwicklung der Stadt erneut. Die allgemeine Wirtschaftskrise nach dem Kriege, die Struktur- und Konjunkturwandlungen der Systemzeit, haben unsere Textilindustrie, die Hauptstütze unseres gesamten wirtschaftlichen Lebens war, stark betroffen. Betriebseinschränkungen und -stilllegungen ließen die Arbeitslosenziffern ganz besonders hoch ansteigen. Die mangelnde Kaufkraft weiter Volkskreise und die drückenden Steuerlasten führten zu einem Stillstand in der Gesamtentwicklung der Stadt.

Der Wiederaufstieg unseres Vaterlandes nach 1933 brachte auch für Reichenbach neue Voraussetzungen einer günstigen Aufwärtsentwicklung, wie die letzten sechs Jahre vor Beginn des gegenwärtigen Krieges deutlich nachweisen.

 

b) Sehenswürdigkeiten

Der älteste Zeuge aus Reichenbachs Vergangenheit ist die katholische Pfarrkirche. In ihrer ursprünglichen Form stammt sie aus dem Jahre 1159. Im 16. Jahrhundert erfuhr sie verschiedene Erweiterungsbauten in gotischem Stil.

Die evangelische Pfarrkirche stammt aus dem Jahre 1798. Sie wurde auf dem Grunde der alten herzoglichen Burg nach den Plänen des Architekten Niederäcker erbaut. Die drei in elliptischer Form im Innern sich hinziehenden Emporen werden von dorischenionischen und korinthischen Säulen getragen.

Das alte Rathaus, aus dem Jahre 1203 stammend, wurde 1873 niedergerissen. Der Neubau wurde 1875 fertiggestellt. Er umschließt den im 13. Jahrhundert errichteten Turm. An das Rathaus schließt sich das sogenannte „Schmetterhaus“ an, das in früheren Jahrhunderten als Kaufhaus diente.

Im 1. Stockwerk des Hauses Ring 51, dem geschichtlich berühmt gewordenen „Sadebeckhaus“, befindet sich der geräumige Kongresssaal, in dem am 27. Juli 1790 der Kongress von Reichenbach zum Abschluss gebracht wurde, der den Fortbestand des türkischen Reiches und den bedrohten Frieden Europas sicherte. Der Saal zeigt reiche Stuckarbeit und birgt als besondere Sehenswürdigkeit einen großen runden Porzellankachelofen aus der friderizianischen Zeit. Im Sadebeckhause wohnte während des Kongresses der Führer der diplomatischen Verhandlungen, Minister Graf Herzberg. Im Siebenjährigen Kriege hatte es den General Zieten, den Herzog von Braunschweig-Bevern, den Sieger der Schlacht am Fischerberge, und Friedrich den Großen als Gäste beherbergt.

Von neuen Bauten sind erwähnenswert das neue Stadtbad, eines der modernsten Hallenbäder des Ostens, die Berufs- und Landwirtschaftsschule auf dem Freiherr-vom-Stein-Platz mit der nach der Koslikstraße gelegenen Turn- und Festhalle und der auf der Hohen Schanze stehende Wasserturm, von dem man eine wunderbare Aussicht auf das ganze Kreisgebiet genießt.

Sehenswert sind auch die aus dem 16. Jahrhundert stammenden schönen Portale, die als Zeugen einstigen Wohlstands und Kunstsinns die Häuser 44 und 17 am Ring und jetzt an der Promenade eingebaut sind.

Für jeden Besucher der Stadt lohnt sich auch der Besuch des Sadebeckfriedhofes, den 1805 der Industrielle Sadebeck der evangelischen Gemeinde schenkte. In seiner Mitte erhebt sich die Sadebecksche Familiengruft, auf der eine Engelsfigur steht. Neben den prachtvollen Erbbegräbnissen alter Patrizierfamilien befindet sich auch hier das schlichte Grabdenkmal eines ehemaligen Leibdieners Friedrichs des Großen, der später die Stelle eines Prokonsuls seiner Vaterstadt bekleidete, Heinrichs Gottlieb Ernst, gestorben 1819.

 

nach Erich Hasse; in: „Einwohnerbuch der Stadt und des Kreises Reichenbach (Eulengebirge)“, Breslau 1943, S. 11 … 13

Texterkennung und Anpassung an neue Rechtschreibregeln: Marcin Perliński (2026)

 

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