Von dem Buschweibel, der Tobmazen, erzählen Leute, die um den Hochwald wohnen, Gutes und Böses. Die, welche Böses von ihr erzählen, sagen: Sie ist eine hässliche Alte mit zerrauftem Haar und zerrissenen Kleidern und einem Krückenstock in der Hand. Die Hirten insbesondere können nur mit Abscheu von ihr erzählen, denn gar häufig melkt sie ihnen auf der Weide die Kühe aus, und mancher Hirte wurde von ihr, wenn er vor Müdigkeit auf eine Viertelstunde eingeschlafen war, äußerst unsanft mit dem Krückenstocke geweckt. Den Kindern, die im Walde Beeren pflücken, nimmt sie diese weg und zerschlägt ihnen die Gefäße. Sie dient darum auch als Schreckmittel bei unfolgsamen Kindern.
Bergverwalter August Teichmann in dem benachbarten Hermsdorf hat der Tobmazen ein Poem gewidmet, das in seiner ursprünglichen Form hier folgen mag:
Die Tobmazen
Willst du genießen reine Luft
Ohn' jegliche Beschwerde,
Erhole dich im Waldesduft,
Such auf das Plätzchen Erde! —
Zum Hochwald lenke deinen Lauf,
Wenn heiter scheint die Sonne,
Du findest in der Sagenwelt
Viel Reiz und manche Wonne!
Hier gibt es eine Sage noch,
Die uns nicht ging verloren,
Entstammet nicht aus Wotans Zeit,
Weil später sie geboren.
Wem wär' die Kunde nicht bekannt
Von jenem Frauenbilde,
Vor dem die Kleinen oft gewarnt,
Obgleich sein Antlitz milde? —
Tobmazen nennt die alte Zeit
Die Heldin, die kein Riese,
Sie haust und schafft noch ohne Ruh
Auf ihrer schönen Wiese.
Sie bleicht noch heut' auf breiter Flur
Die Wäsche und die Kleider.
Kommst du ihr nah, bleibt keine Spur,
Denn alles schwindet, — leider!
Wenn unter Knaben einer war,
Der manchmal nicht parierte,
Würd' mit der Mazen ihm gedroht,
Die Kinder gern entführte.
Ob irgend eine Wirklichkeit
Der Fama liegt zu Grunde,
Dafür gibt unser Standesamt
Nicht die geringste Kunde.
So kann man Unbekanntes kaum
Vom Märchen niederschreiben,
Die Zeit treibt ernst' und heit'res Spiel
Und so wird's immer bleiben. —
Vielleicht, dass unserm Laisebach
Entsteigen dann Novellen!
Wenn statt der dicken schwarzen Flut,
Einst sprudeln Silberwellen!
Bis dahin aber wollen wir
Uns in Geduld noch fügen,
Erzählen von der Mazen hier
Zu unserem Vergnügen!
Die Tobmazen und die Kinder.
Quelle ---> W. Reimann "Geschichte und Sagen der Burgen und Städte im Kreise Waldenburg" (1882/1908), Seite 262/263
OCR-Verarbeitung und Anpassung an neue Rechtschreibregeln ---> Marcin Perliński (2026)
die Tobmazen ---> auch: Tobmezen, Tobmaze, Tobmeze = das Buschweibel (eine Art Berghexe/Waldhexe)

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